Kryptografische Macht

auch: Władza kryptograficzna · Die fünfte Kategorie der Macht

Eine vorgeschlagene 5. Kategorie sozialer Macht (neben Manns IEMP): Macht, deren Regeln von der Mathematik durchgesetzt werden, nicht von einer Organisation aus Menschen. Erste funktionierende Instanz: Bitcoin (2009).

Eine 5. Kategorie sozialer Macht, die dieses Projekt vorschlägt — neben den 4 Kategorien von Michael Manns IEMP-Modell (The Sources of Social Power, 1986-2013): ideologisch, ökonomisch, militärisch und politisch.

Was sie kategorisch abhebt

Alle 4 Mächte Manns sind Netzwerke aus organisierten Menschen — Priester, Kaufleute, Soldaten, Beamte. Die kryptografische Macht ist die erste, deren Durchsetzung keine Organisation aus Menschen erfordert: Die Regeln werden von der Mathematik ausgeführt. Daher ihre Eigenschaften:

  • erlaubnisfrei — Teilnahme ohne jemandes Zustimmung
  • aterritorial — es gibt keine Hauptstadt, der man ein Ultimatum überbringen könnte
  • binär — der Besitz des Schlüssels gibt volle Macht über die Ressource, sein Fehlen gibt null; es gibt keinen „teilweisen Zugang durch Verwaltungsentscheid”

Die erste Instanz

Bitcoin (2009): Wertabrechnung ohne zentralen Schlichter, durchgesetzt durch Kryptografie und Anreize (Kapitel 1). Ein ehrlicher Vorbehalt: Kryptografische Macht in ihrer reinen Form gilt nur für jene, die ihre eigenen Schlüssel halten — sie einem Vermittler anzuvertrauen stellt dessen gewöhnliche ökonomische Macht wieder her.

Status des Begriffs: ein theoretischer Vorschlag dieses Buches (Kapitel 7), kein akademischer Konsens.