Erweiterter Geist
auch: Extended Mind · These von Clark und Chalmers · Erweiterter-Geist-These
These von Clark und Chalmers (1998): Der Geist endet nicht an der Grenze des Schädels — eine externe Ressource, die die Bedingungen von Verfügbarkeit und Vertrauen erfüllt, ist Teil des kognitiven Systems.
Eine These, formuliert von Andy Clark und David Chalmers im Aufsatz „The Extended Mind” (Analysis 58:1, 1998).
Das Gedankenexperiment Inga/Otto
Inga ruft die Adresse des Museums aus dem biologischen Gedächtnis ab. Otto (der Alzheimer hat) liest sie aus einem Notizbuch, das er stets bei sich trägt. Funktional — kein Unterschied: Beide Informationen warteten bereit, beide führten zum Ziel. Schlussfolgerung: Ottos Notizbuch ist Teil seines kognitiven Systems.
Das Paritätsprinzip und die Bedingungen
Wenn etwas außerhalb des Kopfes genau das tut, was wir innerhalb des Kopfes ohne Zögern einen kognitiven Prozess nennen würden — dann ist es Teil des kognitiven Prozesses. Bedingungen: Die Ressource muss ständig verfügbar, unmittelbar zugänglich und automatisch vertrauenswürdig sein.
Entwicklungslinie
1998 („The Extended Mind”) → 2008 (Supersizing the Mind; Chalmers: „Das iPhone ist bereits Teil meines Geistes”) → die 4E-Kognitionsschule → 2025 (Clark, „Extending Minds with Generative AI”, Nature Communications — generative KI als nächste Schicht des verteilten kognitiven Systems).
Der Erweiterte Geist ist das philosophische Fundament des Konzepts der postkognitiven Ära: Kapitel 1 führt die These ein, Kapitel 2 operationalisiert sie (der Subtraktionstest).